Datavis vs. Infovis – Zwischen Kunst und Journalismus

Die Begriffe Datenvisualisierung und Informationsvisualisierung werden mitunter synonym gebraucht, was mich zwar relativ wenig stört und in der Regel auch niemandem schadet. Allerdings bergen unklare Begriffsdefinitionen auch das Potential für Verwirrungen und Missverständnisse. Allen Interessierten, denen sich der Unterschied zwischen Daten- und und Informationsvisualisierung noch nicht voll erschließt, möchte ich hier mal meinen Beitrag zum besseren Verständnis anbieten.

Beginnen wir zunächst mal mit der formalen wissenschaftlichen Abgrenzung.

Informationsvisualisierung in der Informatik

In der Informatik sind die Begriffe Datenvisualisierung und Informationsvisualisierung recht klar voneinander getrennt. Kurz gesagt sind Daten eigentlich alles, was sich in Bits und Bytes speichern lässt. Datenvisualisierung sind einfach alle möglichen Formen und Techniken der Generierung von Bildern (und Bewegtbildern) aus Daten. Je nach Art der visualisierten Daten ergeben sich dann die unterschiedlichen Teilbereiche. Visualisiert man z.B. Geodaten, landet man im Arbeitsfeld der Geovisualisierung, visualisiert man hingegen medizinische Datensätze (z.B. MRT-Daten) ist man bei dem medizinischen Visualisierungen usw.. Das Feld der Informationsvisualisierung ist in diesem Kontext der Teilbereich der Datenvisualisierung, der sich mit abstrakteren, d.h. von der messbaren Umwelt losgelösten Daten beschäftigt.

Vor diesem Hintergrund ist der Unterschied zwischen Datenvis. und Infovis. relativ unspektakulär und beruht rein auf der strikten wissenschaftlichen Definition.

Daten und Informationen im Kontext der Informationstechnik

Spannender finde ich dann schon eher den folgenden Ansatz: Um Informations- und Datenvisualisierungen zu unterscheiden, schaut man sich zunächst den Unterschied der einzelnen Begriffe Information und Daten an. Im Kontext der Informationstechnik ist eine Information eine “im engeren Sinne eine geordnete Abfolge von Symbolen, deren Bedeutung der Empfänger entschlüsselt1. Die angesprochene geordnete Abfolge von Symbolen würde in diesem Beispiel im wesentlichen die Daten darstellen. Eine Information besteht aus also Daten, die für sich betrachtet aber keinen Informationsgehalt besitzen. Dieser entsteht erst im Zusammentreffen der Daten mit einem Mensch, der den Daten eine Bedeutung beimisst. Das zugrundeliegende Modell lässt sich in etwa wie folgt darstellen:

Übertragung auf Daten- und Informationsvisualisierungen

Daraus kann man nun folgenden Unterschied ableiten: Datenvisualisierungen sind solche Visualisierungen, die zwar einen (großen) Datensatz darstellen, aber dem Betrachter keine oder kaum relevante Informationen offenbaren. Die Visualisierung kann dabei durchaus auf hohem gestalterischem Niveau stattfinden, aber man ist nach dem Betrachten so schlau wie vorher. Dementsprechend wäre eine Informationsvisualisierung ein Sonderfall der Datenvis., bei dem es gelingt, für den Betrachter relevante Informationen sichtbar zu machen.

Natürlich ist diese Definition sehr subjektiv. Was für den einen Betrachter eine relevante Information darstellt kann ein anderer Betrachter als komplett unwichtig einstufen. Daher würde ich die Unterscheidung schon im Gestaltungsprozess ansetzen. Damit landen wir bei der wichtigen Frage der Intention, die hinter einer Visualisierung steht. Wenn z.B. im Vorfeld künstlerisch gestalterische Aspekte im Vordergrund stehen, kommt vermutlich eine Datenvisualisierung heraus. Steht hingegen etwa die Gewinnung von Einsichten in komplexe Sachverhalte im Vordergrund, landen wir eher bei den Informationsvisualisierungen.

Damit wären wir dann bei der folgenden schematischen Einordnung der Begriffe zwischen den Polen Kunst und Journalismus:

Wo sich welche Visualisierung letztlich einordnen lässt, ist in den wenigsten Fällen eindeutig. Es kommt immer darauf an.

Nachtrag:

Gerade habe ich bei FFunction eine schöne Infografik zum Thema “What is Data Visualization” gesehen. Geht ein bisschen in dieselbe Richtung, wobei Information Visualization als Begriff gar nicht auftaucht.

InfoVis: Neben­einkünfte deutscher Bundestags­abgeordneten

Aufgrund der überwältigenden Resonanz zu meiner Parteispenden-Visualiserung habe ich mich direkt zur nächsten Visualisierung durchgerungen. Diesmal geht es um die Nebeneinkünfte unserer Bundestagsabgeordneten, welche seit einigen Jahren zumindestens teilweise offengelegt werden müssen. Die Daten stammen auch diesmal von bundestag.de und wurden automatisch ausgewertet.

Aufgrund der überwältigenden Resonanz zu meiner Parteispenden-Visualiserung habe ich mich direkt zur nächsten Visualisierung durchgerungen. Diesmal geht es um die Nebeneinkünfte unserer Bundestagsabgeordneten, welche seit einigen Jahren zumindestens teilweise offengelegt werden müssen. Spiegel Online hat dazu in Zusammenarbeit mit abgeordnetenwatch.de mit dem Bundestagsradar bereits einen ersten Schritt gemacht. Dort kann die Abgeordneten in einer schematischen Darstellung des Plenums nach verschiedenen Kriterien filtern, darunter auch das Vorhandensein von Nebeneinkünften in bestimmten Stufen.

Leider ist aus der Grafik lediglich ersichtlich, ob ein Abgeordneter Nebeneinkünfte erzielt hat, nicht aber wieviele Nebeneinkünfte es waren. Damit kann nicht unterschieden werden, ob jemand nur einen einmaligen Vortag gehalten oder über die gesamte Legislatur ein monatliches Nebeneinkommen erzielt hat. Was ich mir hingegen vorgestellt hatte, war eine Visualisierung, in der einem hohe Nebeneinkünfte sofort “ins Auge springen” sollen. Bei der Anordnung der Abgeordneten habe ich mich zur Abwechslung nicht am Plenum des Bundestags sondern an den Heimatwahlkreisen orientiert. Zum einen, weil dadurch der lokale Bezug zwischen Bürgern und Abgeordneten betont wird und zum anderen, weil ich irgendwie ein Faible für Kartenvisualisierungen zu scheinen habe…

Die interaktive Version befindet sich hier: labs.vis4.net/nebeneinkuenfte/

Ergänzungen: